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April/Mai 2017
Nach meiner Testfahrt im vergangenen Jahr nach Südfrankreich wird dies die erste wirkliche Fahrt mit meine Expeditionsmobil “R2TM” (Reduced to the Max) - einem Wrangler Sahara, der nicht auf extreme Offroadfähigkeit getrimmt ist, da ich der Meinung bin, dass die schon ganz ordentlich vom Band kommen, sondern dessen Anbauten eher der Idee des autarken Lebens folgen.
Ich fahre am 23.04. zunächst nach Südfrankreich los und hangele mich ganz langsam von all meinen Lieblingsplätzen, beginnend von Avignon über die Küste des Languedoc-Roussillion bis nach Spanien.




Von Barcelona aus lege ich einen Fahrtag ein, um bis nach Tarifa zu kommen, von wo aus ich die Fähre nach Tanger nehme.

Am 05.05. komme ich von Tarifa nach Tanger an. Dort besorge ich mir erst einmal Bargeld und SIM Karte. 10 GB kosten 130 DH, sind 4 Wochen gültig. In Tanger ist es sehr entspannt, ich hatte es mir schwieriger vorgestellt, alles zu finden.
Da ich noch Zeit habe, begebe ich mich auf die Autobahn und fahre runter nach Casablanca. Während der Fahrt suche ich mir dort ein Hotel mit Bookng.com. Dem wilden Übernachten möchte ich mich schrittweise nähern, da ich als Neuling im Land noch nicht einschätzen kann, wo und wie das erlaubt ist oder geduldet wird, wie die Menschen reagieren und wo es Möglichkeiten dafür gibt. Das Hotel ist soweit ok aber auch nichts besonders.

06.05. Casablanca - am Morgen fahre entlang der Promenade und schaue mir den Atlantik an, dann folgt die Autobahnfahrt nach Marrakech. Alle Raststätten unterwegs sind sehr sauber, es gibt gutes Essen und gute (Raststätten)preise.

Für den heutigen Tag suche ich mir ein B&B. Es liegt mitten in der Medina. Für den kleinen Wrangler ist die Einfahrt grenzwertig, aber mit Navi ok. Natürlich falls ich auf den Trick mit der gesperrten Strasse rein...

Ich checke ein und gehe erst einmal in die Stadt. Marrakech ist eine schöne orientalische Stadt mit allen Klischees. Es gibt viele Touristen, hauptsächlich englische, französische, asiatische.
Gutes Essen ohne Touris gibt es außerhalb der Stadtmauer, dort sind auch nur noch Einheimische. In der Stadt gibt es alles, was man braucht, ATM, Supermarkt, ect... Die Stadt wirkt auf mich wie das (positive) Klischeebild des Orients, so in etwa waren meine Assoziationen gewesen, als ich als Kind Bücher über den Orient las.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück geht es weiter auf die 1. Route, die ich fahren möchte. Ich habe mir vorgenommen, in der wenigen zeit möglichst viele von Burkhard und Sabine (Lila Pistenkuh) beschriebene Routen und Pisten nachzufahren, um den bestmöglichen Eindruck von den weniger touristischen und dafür interessantesten Gegenden Marokkos zu bekommen. Ich verwende hier im Bericht die Routenabkürzungen, wie sie Burkhard kreiert hat. Die genauen Beschreibungen der Routen erhaltet ihr in seinem Buch “GPS Offroad Reiseführer Marokko”, ich selbst beschreibe nur meine Eindrücke und Erlebnisse auf den einzelnen Routen.
Die Route, mit der ich starte, nennt sich HTA (Taliouine-Agoum). Am Ende der Route soll für mich heute ein Campingplatz aus dem Buch von Edith Kohlbach “Campingführer Marokko” stehen.
Etwas mulmig ist mir zumute, als ich auf der Route erstmals die Strasse verlassen und auf tatsächliche Piste gehen soll. Und was auch immer passiert ist, trotz exakter Wegbeschreibung komme ich bei dem Dorf, bei dem ich auf die Piste muß, nicht hin. Ein Weg ist weggebrochen, in der Ferne sieht man die Piste, aber trotz des Fahrens auf einem Esels- und Fußweg durch das Dorf komme ich nicht von Punkt 29 zu 28 und muß deswegen komplett Strasse statt Piste fahren.
Am Abend bin ich auf dem Campingplatz und habe trotz einfacher Fahrt im Hohen Atlas tolle Aussichten und Bilder gesehen. Gutes Essen gibt es in der zum Camplingplatz gehörenden Auberge.

Am nächsten Morgen geht es zur Route HIB (Tizi-n- Quano)- die ich aus logistischen Gründen (wie viele andere Routen auch - verkehrt herum fahre. Etwas hinter dem höchsten Punkt übernachte ich nun erstmals in der Wildnis - mitten im (trockenen) Fluss. Auch die erste Kamele (Dromedare) sehe ich am Berghang, allerdings sind die bestimmt nicht wild.



09.05. Am Morgen fahre ich erst die Route zu Ende bis zum See im Naturschutzgebiet, dann drehe ich und fahre die Route wieder zurück über den Pass bis zur Route HTM (Querverbindung Todra - Dades). Auf dem Weg treffe ich Beiwagen-Motorradfahrer aus der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis. Die HTM führt im ersten Abschnitt einen trockenen Fluß hoch - jeder Fußgänger wäre schneller. Ich komme einmal 20 Meter von der Flussbettpiste ab und habe große Schwierigkeiten, um die wenigen Meter durch das Geröll zu gelangen. Ich komme bis Waypoint 3, zum Camping "Atlas mit warmen Duschen, eine Empfehlung von Burkhard.




10.05. Am Morgen darauf starte ich die Route ATA (Tinerhir-Alnif), eine sehr schöne und nicht sonderlich schwierige Route.


Da ich noch Zeit habe, starte ich gleich anschließend die Route SAT (Alnif - Tarbalt), gerate aber in einen Sandsturm und fahre blind weiter offroad weiter. Irgendwann quere ich eine mit Wüstensand überzogene Teerstrasse, biege links ab und kommen nach El Fecht, wo ich einen Mauer finde, hinter der ich mich verstecke. Zu allem Überfluss meldet das Auto den ersten kaputte Reifen.
Am nächsten Morgen ist wieder alles gut, als hätte es den Sturm nie gegeben.

Ich wechsle den Reifen und plane um, da ich nun keinen Ersatzreifen mehr habe.
Ich fahre nach Zagora und stelle mich hier auf einen Campingplatz.


Zagora ist ein Einfallstor zu den Südrouten in die Sahara. Der Reifen ist schnell repariert und ich starte in die Wüste. Allerdings möchte ich, da ich allein unterwegs bin, nicht riskieren, mich fernab von der Zivilisation einzugraben, somit wähle ich die Routen mit Bedacht nur am Rand der Wüste und nicht mehr als 15 km entfernt von zumindest einem Dorf.
In den kommenden Tagen fahren ich verschiedene südliche Routen. Zunächst von Zagora über die Judendüne nach Mhamid. Nach einer Übernachtunin der Judendüne ist die Piste nach Mhamid durch den Sandsturm zugeweht und ich fahre über bzw. durch bis zu 3 Meter hohe Sandverwehungen. Glücklicherweise scheint das meinen R2TM nicht im Geringsten zu beeindrucken, er schnurrt einfach durch die Dünenfelder durch.




In Mhamid angekommen, trinke ich einen Tee und fahre wieder Richtung Zagora, da meine nächste Piste den gleichen Anfahrtsweg hat. Ich wähle die Route SJB nach Foum Zguid. Tolle Aussichten ohne Dünen belohnen meine Wahl. Am Übernachtungsplatz erhalte ich Besuch von 2 Einheimischen mit denen ich mit Händen und Füßen über die Brunnen der Wüste rede. Der Ältere ist erstaunt, dass ich viele der Brunnen kenne und versteht gar nicht so richtig, wieso sie in meinem Offroad Navi eingezeichnet sind, wo ich doch gar nicht aus dieser Gegend komme.
 

Nach einer weiteren, absolut ruhigen Übernachtung fahre ich den Foum Zguid Rundkurs SFF, der mich bis in die Nähe der algerischen Grenze führt. Mehrmals werde ich von (freundlichen) Militärposten kontrolliert. Niemand versteht, dass ich nicht auf der Route der Rally Paris -Dakar fahren möchte. An einem unkt werde ich höflich aber bestimmt auf die Rally-Route gebracht und fahre dann den Rest meiner Route quasi parallel zu der Piste, die ich eigentlich nehmen wollte.



Zum Abschluß der Südtouren hangele ich mich nochmals nach Zagora. Da ich wohl eine Blindarmreizung haben und mir nicht so recht wohl dabei ist, stelle ich mich auf den Zeltplatz. Mit Hilfe zweier deutscher Ärzte besorge ich mir aus der Apotheke passende Antibiotika, die ich einstecke, falls es schlimmer werden sollte.
Am 15. 16. und 17.5 halte ich mich in der Nähe der großen Strassen auf. Da es wieder in die Berge geht, sind insbesondere die Nächte deutlich angenehmer, morgens ist es frisch.




Von Tazzarine aus fahre ich die Route ABT verkehrt herum nach Boumaine Dades, um anschließend 280km lang in den Hohen Atlas zurückzukehren und die Cathedrale des Roches zu fahren. Am 18. abends bin ich da und finde einen einsamen Schlafplatz mit toller Aussicht.

Morgens geht es direkt weiter durch einen Bach. Es gibt Aussichten rund um die Kathedrale, immer beleuchtet. Langsam geht es aufwärts. Später auf 2700 Metern befindet sich der Peak dieser Route. Abwechslucngereiche Natur und Topographie prägt die wunderschöne Strecke, sie endet bei 1700 Metern und ist auch für 2-WD fahrbar




Am Ende der Route HCR muß ich mich entscheiden wie ich weiter fahren möchte. Ich wähle die Route AMT verkehrt herum. Sie verbindet die N10 zur N12. Vorher habe ich noch 200 Km Anfahrt von Mittag an Richtung Scoora.
20.05. Beginn AMT, Bankomat hat Karte geschluckt, Nach einer Übernachtung auf Parkplatz eines Künstlers (Empfehlung von EdithKohlbach) will ich mich mit neuem Wasser eingedecken, tanken und Geld ziehen. Tinjedad hat viele schöne Cafes, die Menschen sprechen gut französisch, z. T englisch. Leider schluckt der ATM meine Visa-Card, ohne dass er vorher Geld ausgibt. Ich sperre sie und besorge mir an einem anderen Automat Geld.
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Die Route AMT ist schön, aber nicht lang. Bereits um 11:00 bin ich fertig. Den Ort Mecissi braucht kein Mensch, erstmals erlebe ich Regen in der Wüste. Ich fahre ein Stück entlang der Route SOM, mehrere andere Routen gehen von hier ab, ich verfolge diese aber nicht. Hier sieht alles momentan unspektakulär aus. Südlich parallel läuft die Route SFR als echte südliche Wüstenstrecke, die ich jedoch auslasse, da ich immer noch Bedenken habe, dass ich mich eingrabe.
N12 läuft komplett wieder durch den Sand, ist etwas vermüllt, viel Plastik an der Strasse, von der Kreuzung kommen die Routen SRU und SRR an als reine Wüstenstrecken, die ich alle vermeide weil ich allein unterwegs bin. Ich fahre Richtung Erfoud bis zur N10.
Die N13 ist eine der Fossilienstrassen für die Touris, es gibt viele Läden für Touristenbusse. Von Westen kommt die Route SEG, später östlich die SBM und SEB, auf beiden Seiten gibt es Sand, aber keine Dünen, hier eher Steinwüste. Die N10 biegt hier nach Osten. Die Route SBM kommt von rechts auf die N13.
Über die N10 fahre ich die Route HAA an. (Amellago - Assoul).

Höhepunkt dieser Route ist ein alter Militärtunnel.


Nach dem Tunnel finde ich einen super Stellplatz, tolle Aussicht, etwa in der Mitte der HAA.

21.05. Am nächsten Morgen fahre ich die Route zu Ende, dann bin ich wieder auf der N10, N13 Richtung Saida
Dazu fahre ich nicht nach Azul am Ende der HAA, sondern quasi zurück, es kommt ein schöner Gorge. Dann bin ich wieder an der Kreuzung N10, N13 und biege ab Richtung Zaida zur HCJ mit Schwierigkeitsgrad 5.
Es gibt einen großen See Ecke N10, N13 türkisfarben, ohne Bewuchs. Hier sind keine Besucher trotz des Sonntages. Das erscehint mir komisch, da es ein toller See ist und ein schönes Erholungsgebiet wäre.
Es kommt ein Termalbad auf der N13 mit Raststäte, teuer, und nichts besonderes, der Parkwächter will Geld.
Hier beginnt die Route HCJ (Cirque de Jaffer). Ich fahre bis vor die Engstelle in ein Flussbett zur Übernachtung.

22.05. Nach dem Frühstück befahre ich den Cirque de Jaffer. Es gibt hier eine Engstelle für den Jeep. Leider bin ich allein unterwegs und habe daher keine Bilder davon, allerdings weiß ich noch, dass ich 5 Anläufe brachte, bis ich mit nur minimalen Schäden durch war.



Nomaden betteln sehr aktiv hier, auch Erwachsene. Später im Wald ist es sehr schön und ruhig. Auf 2200 Metern sind Schneefelder mit schönem Blick. Ich faloge der Route HCJ bis zu einer Teerstrasse.

Weiter geht es Richtung Norden nach Midelt und Zaida, später dann nordöstlich. Ich versuche, grüne Strassen zu fahren, aber überwiegend ist es Teerstrasse.



Ich biege auf die R503 nach Gulman, später Richtung Tarza ab, dort links, nachdem ich getankt habe. Die 304 und 307 sind sehr schöne Strassen im Gebirge, mit Blick auf Schneeberge. Ich finde einen tollen Stellplatz, ganz ruhig, obwohl direkt an der Strasse, aber windig (Empfehlung Edith Kohlbach)


23.05. Die Menschen hier sind sehr zurückhaltend, es gibt kaum noch Bettelei. Ich fahre bis Tarza, tanke, regulieren den Reifendruck, und fahre dann wieder zurück ins NP-Gebiet.


Weiter geht es auf der N6 zu einem Stausee, um Fez abschzuneiden, anschließend am Staussee vorbei auf N2 nach Norden. Edith beschreibt hier einen Rastplatz, der ist aber bewacht mit Fastfoodbude und Holzbohlen. Etwas später aber kommt man gut rein in den Wald für Picknick oder Nachtplatz.
24.05. Nach längerer Suche habe ich sehr gut geschlafen im Wald an der N2 und blicke in ein tolles Wolkental.

Die N8 und die N2 lauf durch Gegenden mit Mittelgebirgscharakter, es gibt schöne Blicke, alles ist sehr grün (mediterran). Viele viele Haschischhändler, man ist nicht mehr wirklich allein oder muß lange suchen. Leider gibt es hier recht viel Müll. Der Norden Marokkos ist nicht wirklich meins.

Ich fahre weiter Richtung Atlantikküste
25.05. Ich hatte Parkplatz und Nachtplatz am Atlantik, kostet 40 DH, ein Restaurant ist gleich nebenan dabei, das Essen ist ganz gut, normale Preise. Ich mache einen langen Strandspaziergang, es gibt etwas Strassenlärm, alles ist nach den Bergen recht warm und feucht. Richtung Tanger sind es noch 40 km, Tanken mit CC kann man bei Shell (linke Seite der Straße).


Im Hafen von Tanger geht wieder alles ohne Probleme, sehr ruhig und professionell. Es ist ein angenehmes Ende der Reise, nur unterbrochen durch den kleinen Fehler, dass ich mich bei der falschen Agentur anstelle und dann eine Stunde auf die nächste richtige Fähre warten muß.
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